Der Winter ist die Zeit, Gehölze zu scheiden.

Das Wichtigste zum Thema in Kürze:

Der Verjüngungsschnitt

dient vor allem der Erhaltung der Lebenskraft und der Blühwilligkeit der Gehölze. Triebe überaltern im Laufe der Zeit. Triebkraft, Intensität ihres Blühens und Fruchtens lässt spürbar nach.  Hier geht es darum alte Triebe tief an der Basis wegzuschneiden und damit kontinuierlich Neubildung von Jungholz anzuregen.  Das geschieht am Besten im Winter oder nach der Blüte im Sommer.  Das gilt unter anderem für folgende Pflanzen:

Berberis  // Berberitzen (Sauerdorn)

Buddleja alternifolia  // Chinesischer Sommerflieder    (nur diese Art!)

Chaenomeles  // Zierquitte

Cotoneaster  // Felsenmispel

Cotinus  // Perückenstrauch

Cytisus *  // Ginster

Deutzia  // Maiblumenstrauch

Euonymus  // Spindelstrauch  (Pfaffenhütchen)

Forsythia*  // Forsythie

Kerria  // Ranunkelstrauch

Kolkwitzia  // Perlmuttstrauch

Lonicera (einschließlich der kletternden)  //  Heckenkirsche

Malus  // Zieräpfel

Philadelphus  // Falscher Jasmin

Prunus  // Zierkirsche

Ribes*  //  Blutjohannisbeere

Rosa (Wild- und Parkrosen)

Sambucus  //  Holunder

Spiraea arguta*, nipponica, thunbergii*, vanhouttei  //  Schnee-, Japan. Strauch-, Frühlings- u.
Weigela  //  Weigelia                                                                                                Prachtspiere

 

*Bei diesen kann man den beschriebenen Verjüngungsschnitt statt im Winter ebensogut gleich nach ihrer schon früh im Jahr erfolgenden Blüte ausführen. Sie beginnen dann sofort mit dem Durchtreiben von Jungholz.

 

Frühjahrsrückschnitt

bis auf kurze Stümpfe der letztjährigen Triebe; diese Sträucher blühen hauptsächlich am einjährigen Holz, d.h. durch den starken Rückschnitt werden viele neue Triebe gebildet = viele Blüten!

Frühjahrsrückschnitt bei diesen:

Buddleja davidii i.S.  // Sommerflieder oder Schmetterlingsflieder

Calluna  // Sommerheide

Caryopteris  // Bartblume

Ceanothus  // Säckelblume

Erica  // Winterheide  (im Mai schneiden)

Hydrangea arborescens ‚Annabelle‘ und Grandiflora‘  //  Schneeballhortensien

Hydrangea paniculata ‚Grandiflora‘  // Rispenhortensie

Hypericum  // Strauchiges Johanniskraut

Perovskia  // Blauraute

Potentilla fruticosa i.S.  // Fingerstrauch

Prunus triloba  // Mandelbäumchen:  unmittelbar nach der Blüte schneidet man einen guten
Teil der älteren abgeblühten Triebe heraus.  Jungtriebbildung, Anfälligkeit gegen Monilia
(Zweigspitzendürre) hält sich dann in erträglichen Grenzen

Spiraea bumalda ‚Froebeli‘ + ‚Anthony Waterer‘  //  Sommerspiere

Spiraea japonica ‚ Little Princess‘  //  Japanische Spiere

 

gar nicht schneiden

Die hier genannten Gehölze wachsen extrem langsam und mit oft malerischem Wuchs, daher viel zu schade, um außer in Ausnahmefällen an ihnen herumzuschneiden

Acer palmatum i.S.  // Fächerahorn

Acer japonicum  // Japanischer Ahorn

Callicarpa  // Liebesperlenstrauch, nur das Notwendigste, z.B. wenn abgefroren

Cercis  // Judasbaum

Chionanthus  // Schneeflockenstrauch

Clerodendrum  // Losbaum, nur Frostschäden

Cornus alternifolia, controversa, florida, kousa  //  Blumehartriegel

Corylopsis  // Scheinhasel

Staudengärtnerei Bornhöved   Plöner Str. 10   24619 Bornhöved   www.staudengaerten.de

Davidia  // Taschentuchbaum, Taubenbaum

Fothergilla  // Federbuschstrauch

Genista tinctoria  // Färbeginster, nur nach Frostschäden

Halesia  // Maiglöckchenbaum, Schneeglöckchenbaum

Hamamelis  // Zaubernuß

Laburnum  // Goldregen, höchstens altes trockenes Holz rausnehmen und gelegentlich einige
Zweige für die Vase.  Im fortgeschrittenen Alter verträgt er auf keinen Fall das
Zurücksägen starker Zweige bis in das dicke Altholz

Magnolia  // Magnolie, wenn es unbedingt sein muß, dann vorsichtig ältere Triebe heraus-
nehmen, zwischen Ende Juli und Mitte August, im Frühjahr bluten Magnolien zu stark!

Nothofagus  // Scheinbuche

Paeonia suffruticosa  // Strauchpfingstrose

Parrotia persica  // Eisenholzbaum

Viburnum plicatum + ‚Mariesii‘  // Japanischer Schneeball

 

Immer wieder gefragt wird nach:

 

Ginster

die regelmäßig auftretenden Frostschäden sind meist belanglos.  Im Interesse einer überreichen Blüte müssen die Triebe ohnehin jedes Jahr eingekürzt werden.  Der Rückschnitt erfolgt unmittelbar nach dem Verblühen am untersten Blütenansatzpunkt.  Dadurch wird ein dichter Neutrieb mit üppigem Blütenbesatz im darauf folgenden Jahr erzielt. Ein Totalrückschnitt bewirkt zögernden Durchtrieb.  Wurde der Schnitt im Mai vergessen, belässt man die Sträucher besser im ungeschnittenen Zustand.

Forsythie

ihre an sich schon große Blühwilligkeit fördern wir durch achtsames Entfernen alter, blühschwach gewordener Zweige.  Auch uns etwas lang erscheinende Jungtriebe sollten wir nicht einkürzen, sie verzweigen sich in 2-3 Jahren ganz von selbst und blühen ohne unser Zutun umso reicher.

Hibiscus

mit dem sehr vorsichtigen und nur leichten Auslichtungs- und Rückschnitt sollten wir bis zum Frühling warten, da wir dann auch am leichtesten Frostschäden erkennen und beim Schnitt berücksichtigen können.  Ein scharfer Rückschnitt etwa auf 5 Knospen ergibt kräftige Triebe mit etwas weniger, dafür aber größeren Blütenbechern.

Hortensien

Bauernhortensien sollte man lediglich alle alten, nicht mehr genügend blühfreudigen Triebe an der Basis herausschneiden.  Die Mehrzahl dieser Hortensien blüht nämlich am schönen aus den starken Endknospen der letztjährigen Jungtriebe im kommenden Sommer. Daher ist es so wichtig, durch stetiges Verjüngen dafür zu sorgen, dass die Pflanzen immer möglichst viele starke Jungtriebe bilden.  Diese selbst sind für die Schere tabu.

Flieder

alle Flieder sind dankbar und zeigen dies durch eine reiche Blüte in Folgejahren an,  wenn wir ihnen nach Beendigung der Blütezeit die abgeblühten Blütenstände harausschneiden. Dadurch verhindern wir, dass die Sträucher auf Kosten der kommenden Blüte unnötigerweise Nährstoffe zur Ausbildung zahlreicher Fruchtstände und Samen aufwenden.  Ältere und hochbeinige Fliedersträucher kann man ohne Schaden stark verjüngen bis ins starke Altholz, d.h. auf den Stock setzen.  Die aus schlafenden Augen austreibenden neuen Jungtriebe werden dann sachgemäß ausgelichtet und man erhält in kurzer Zeit einen verjüngten, frohwüchsigen und voll blühenden Strauch.

Rhododendron

wird eigentlich nicht geschnitten, alte, verkahlte Büsche können aber bis auf 40-50 cm über den Boden zurückgesetzt werden, das sollte im März passieren.  Die Sträucher blühen dann in dem Jahr nicht, treiben aber dafür schön von unten wieder durch, (wenn man sie gut wässert und düngt) und bekommen wieder eine schöne Form.

Das Ausbrechen abgeblühter, nicht ausgereifter Fruchtstände fördert Knospenansatz für folgendes Jahr.

Rosen

Beetrosen: Polyantha- und Floribundarosen:  jährlich stark auf etwa 30 bis 40 cm über dem Boden

Edelrosen, Teehybriden:  jährlich stark auf etwa 20 bis 30 cm über dem Boden

Zier-Strauchrosen:  regelmäßig altes und krankes Holz auslichten, gestaffelter Schnitt führt zu dichten Büschen

Bodendeckerrosen:  alle 2-4 Jahre auf  20 bis 30 cm zurückschneiden (Verjüngung) oder alte Triebe auslichten.

Kletterrosen, Rambler:  Öfterblühende Kletterrosen am Spalier werden rel. stark beschnitten und junge Triebe angebunden, Rambler, die in Bäume klettern werden ’nur‘ ausgelichtet.

Alte Rosen:  Da Alte Rosen am vorjährigen Holz blühen, wird am besten direkt nach der Blüte, also im Sommer, geschnitten. Dabei wird gewöhnlich nur altes oder krankes Holz ausgelichtet.

Nostalgie- oder Romantikrosen  (Englische Rosen):  erfolgt in Abhängigkeit der gewünschten Wuchsform wie bei Beet-, Strauch- oder Kletterrosen

Wildrosen:  nach einigen Jahren gelegentlich altes und krankes Holz auslichten

Grundsätzlich sollten Rosen im Nachwinter geschnitten werden – wenn die Forsythien blühen.

Sommerschnitt im Juli/August:  Fördert Blütenreichtumg, dichten Wuchs.  Düngung! (Nicht nach August)

Clematis:

3 Schnittgruppen

  1. kein Rückschnitt, Blüten am alten Holz, wenn zurückgeschnitten werden muß, dann direkt nach der Blüte:  alpina, montana, macropetala
  2. leicht zurückschneiden:  die meisten Hybriden
  3. kräftig zurückschneiden, 20-50 cm über dem Boden, möglichst im Winter:  die ausschließlich im Sommer blühenden integrifolia, jouiniana, viticella, texensis, orientalis, tangutica, vitalba, flammula, recta, tubulosa

 

Literaturhinweise:

 Gehölzschnitt. BdB-Handbuch XIII, Grün ist Leben

Autor:  Heinrich Beltz

Broschiert:72 Seiten                        9,90€

Verlag:Av Buch; Auflage: N.-A. (29. März 2006)

ISBN-13:978-3704021601

Dieses Handbuch kommt ganz ohne bunte Fotos aus. Es ist reduziert auf das, um was es geht, auf den Gehölzschnitt. Heinrich Beltz, Gärtnermeister im Baumschulbereich, hat über mehrere Jahre verschiedene Gehölze geschnitten und ihren jeweiligen Zustand skizziert. Man erkennt gut was passiert, wenn man richtig oder falsch schneidet. Angesprochen werden Ziergehölze, Hecken und Bäume. Obst wird kurz behandelt, weil der Autor in dieser Broschüre die vorangestellten Schwerpunkte setzt.

Unsere Empfehlung für alle, die sich wirklich konstruktiv mit der Thematik beschäftigen und das Schneiden der Gehölze ernsthaft betreiben wollen und dem klassischen Hausmeisterschnitt nichts abgewinnen.

 

Obstbaumschnitt in Bildern: Kernobst – Steinobst – Beerensträucher – Veredlung

Autor:  Hans Walter Riess

Taschenbuch:75 Seiten                   4,60€

Verlag:Obst- U. Gartenbauverlag; Auflage: 30., Aufl. (2012)

ISBN-13:978-3875960457

Dieses kleine Büchlein zeigt (auch für Anfänger unter den „GärtnerInnen“) leicht verständlich alles, was man zum Obstbaum- u. Sträucher-Schnitt wissen muss. Sehr hilfreich sind die guten, übersichtlichen Zeichnungen.  Handlich, praktisch, günstig.