Vorab eine Glosse aus Chicago

Ein alter Araber lebt seit mehr als 30 Jahren in Chicago. Er würde gerne in seinem Garten Kartoffeln pflanzen, aber er ist allein, alt und schwach. Deshalb schreibt er eine Email an seinen Sohn, der in Paris studiert.

„Lieber Mohamed, ich bin traurig weil ich in meinem Garten keine Kartoffeln pflanzen kann. Ich bin sicher, wenn Du bei mir wärest, könntest Du mir helfen und den Garten umgraben. Dein Vater.“

Prompt erhält der alte Mann eine E-Mail aus Paris:
„Lieber Vater, bitte rühre auf keinen Fall irgendetwas im Garten an. Dort habe ich nämlich DAS DING versteckt. Dein Dich liebender Sohn Mohamed.“

Um 5 Uhr am Morgen erscheinen bei dem alten Mann die US-Armee, die Marines, das FBI, die CIA und sogar eine Eliteeinheit der Rangers. Sie nehmen den Garten Stück für Stück auseinander, suchen jeden Millimeter ab, finden aber nichts. Verwundert und enttäuscht ziehen sie wieder ab.

Am selben Tag erhält der alte Mann wieder eine E-Mail von seinem Sohn:
„Lieber Vater, ich bin sicher, dass der Garten jetzt komplett umgegraben ist und Du Kartoffeln pflanzen kannst. Mehr konnte ich nicht für dich tun. In Liebe, Mohamed“.

 

Aber wie geht das mit den Kartoffeln?

 

 

Kartoffelvielfalt

Vorkeimen

Ab Anfang/Mitte März können Kartoffeln vorgekeimt werden. Das gibt einen Vegetationsvorsprung von etwa 2 Wochen. Dazu legen Sie die Pflanzkartoffeln in Kisten nebeneinander aus und stellen die Kisten hell bei etwa 15 Grad. Bei ausreichend Licht können die Kartoffeln dicke, feste Keime entwickeln, die beim Pflanzen weniger leicht abbrechen, als die dünnen Dunkelkeime. Wenn dann gepflanzt wird brauchen vorgekeimte Kartoffeln mindestens 7 Grad Bodentemperatur während die nicht vorgekeimten gerne 10 Grad haben sollten.

Pflanzen

Ausgepflanzt werden Kartoffeln ab Mitte April.  Es hat sich bewährt, Kartoffeln in Reihen zu pflanzen, diese Reihen sollten mindestens 70 cm Abstand haben. Die einzelnen Pflanzlöcher sollten einen Abstand von 30-40 cm haben. Die Pflanztiefe ist 7-8 cm. Praktisch ist es, Kartoffeln zu Zweit zu pflanzen: Einer macht einen breiten Schlitz mit dem Spaten, der andere legt die Kartoffel ein. Eine Kartoffel pro Pflanzloch, wenn man knapp hat, reicht auch eine halbe, diese sollte aber mit Augen und Keimen gut ausgestattet sein. Das ist die verbreitetste Art, Kartoffeln zu pflanzen, diese werden dann später gehackt und gehäufelt. Doch dazu später mehr.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Kartoffel direkt in einen fertigen Damm zu setzen, hier wird sie etwa 12 bis 15 cm tief gepflanzt, je nach Dammhöhe! So spart man sich das häufeln.

Es ist auch gut möglich, Kartoffeln im Kübel zu kultivieren, nehmen Sie einen 20 bis 30 l Topf/Kübel für eine Pflanze. Dieser sollte ein Abzugsloch haben, damit keine Staunässe entsteht. Der Standort für Kartoffeln sollte gerne sonnig sein.

Fruchtwechsel

Im Garten sollten Kartoffeln jedes Jahr auf anderen Beeten angebaut werden. Sie sind Starkzehrer und benötigen eine gute Versorgung mit Nährstoffen. Wir düngen unsere Kartoffeln mit Kompost und Animalin von Oscorna, einem organischen Volldünger.

Schlechte Nachbarn für Kartoffeln sind Kürbis und Sellerie, auch Sonnenblumen, gute Nachbarn dagegen Kohl, Tagetes und Spinat.

Pflege

Kartoffeln kommen bei warmem Wetter im Frühling relativ schnell aus der Erde, wenn man die Reihen erkennen kann, ist eine gute Zeit, das erste Mal zu hacken. Sind die Triebe schon etwas größer, wird gehäufelt. Das bedeutet, dass man die die Pflanzen umgebene Erde zu Wällen an die Pflanzen zieht. Gehäufelt wird 2-3 Mal während der Wachstumszeit. Gehackt wird nach Bedarf.

Diese häufige Arbeit in den Kartoffeln ist ein Grund, weshalb gern geraten wird, in einem neuen Garten erstmal Kartoffeln anzupflanzen, denn durch das viele Hacken und Häufeln wird man eine Menge Unkraut los.

Genießen Sie die Blüten der Kartoffeln, es gibt so viele schöne Sorten und die blühen alle in unterschiedlichen Farbchangierungen.
Kartoffeln brauchen relativ viel Wasser, wenn der Sommer sehr sehr trocken ist, sind sie für zusätzliches Beregnen dankbar.

Ernte

Irgendwann bekommen die Kartoffelpflanzen Krautfäule, dann stirbt das Grün ab und die Zeit für die Ernte ist gekommen. Was ist es für eine Freude, die ersten neuen Kartoffeln aus der Erde zu bergen und mit Butter und Salz zu probieren! Das ist Gartenglück!

Gelagert werden sollen die Kartoffeln in Kisten, schadhafte Knollen aussortieren! Der Lagerplatz soll dunkel und frostfrei sein.

Geschichtliches

Kartoffeln wurden schon vor 10000 Jahren in den Anden angebaut, nach Europa brachten spanische Eroberer die Knollen im 16. Jahrhundert. Hier in Deutschland begann die Zeit der Kartoffel eher holperig. Die Menschen konnten mit den Pflanzen zuerst nichts anfangen, man aß die oberirdischen Früchte (die nicht gut bekömmlich sind) und es brauchte eine List von Preußenkönig Friedrich II., der erkannt hatte, dass der Kartoffelanbau die Getreidemißernten ausgleichen und die Soldaten ernähren könnte. Er ließ kostenlose Pflanzkartoffeln verteilen, doch die Menschen wollten nicht recht. Also baute er auf königlichen Flächen Kartoffeln an, ließ diese streng bewachen, das weckte die Neugier der Untertanen. Sie stahlen die Kartoffeln und bauten sie dann doch selber an.

Den endgültigen Durchbruch hatte der Kartoffelanbau durch Krieg und Hunger, denn sie liefern auf gleicher Fläche 3-4 x so viele Kalorien, wie Getreide.

Nun ist der Siegeszug der Kartoffel nicht mehr aufzuhalten – und was sind wir froh, dass wir heute diese köstlichen Knollen essen dürfen. Es soll mehr als 500 Sorten geben. Wir haben hier in der Gärtnerei etwa 20 Sorten, gelbe und rote und violette ausprobiert und stellen Ihnen einige Favoriten vor:

 

Annabelle 2002 (NL)

sehr frühe Sorte, festkochend
Die eher länglichen Knollen dieser holländischen, jungen Sorte sind von sehr guter Speisequalität mit feinem Kartoffelgeschmack und gelbem Fleisch. Sehr früh im Jahr lässt sich Annabelle als Speise-, Pell-, oder Salzkartoffel verwenden. Und es ist doch überall so: Über die Frühesten freut man sich am Meisten!

La Ratte 1872 (F)

frühe Sorte, festkochend
Die Franzosen sagen: „Es gibt die La Ratte und es gibt andere!“ Ein Beleg dafür welchen Stellenwert diese über hundertjährige Sorte in dem Land der Feinschmecker hat. Sie ist ein Delikateß- Hörnchenkartoffel mit vorzüglichem Aroma, welches sich im kalten Zustand noch steigert. Ihr Anbau ist sie nicht ganz einfach, sie ist anfällig für Kraut und Knollenfäule und benötigt garen Boden und eine gute Wasserversorgung

Laura 1998 (D)

mittelfrüh, vorwiegend festkochend
Eine Kartoffel mit fantastischem Geschmack! Hinter ihrer roten Schale mit gelbem Fruchtfleisch verbirgt sich ein wunderbar kräftiges Aroma bei gleichzeitig gutem Ertrag und nematodenresistenten Eigenschaften. Eine sehr gute Alternative zu gelben Kartoffelsorten.

Rote Emmalie 2004 (D)

mittelfrühe Sorte, vorwiegend festkochend
Bestechend durch ihr außergewöhnlich intensiv rotes Fleisch, ihre elegante, längliche Knolle und ihren sehr guten Geschmack ist sie ein `Eyecatcher` auf jedem Teller. Sie findet Verwendung als Speise-, Salat-, Pürree-, oder Pellkartoffel. Als rosarote Gnocchi wird sie zum Farbtupfer und Erlebnis. Die Rote Emmalie war 2018 die Kartoffel des Jahres.

Rosa Tannenzapfen 1850 (GB)

sehr späte Reife, festkochend
In England auch `Pink Fir Apple` genannt, ist sie die älteste, bekannte Sorte überhaupt. Die hörnchenförmige Knolle hat einen außergewöhnlich kräftig-würzigen Geschmack, das Pellen ist nicht nötig, sie kann sehr gut mit Schale gegessen werden. Eine Delikatesse, die schon aufgrund ihrer Historie probiert und geschätzt werden sollte.

Salad Blue

mittelfrühe Sorte, festkochend
Blaufleischige Kartoffel, die die Farbe nach dem Kochen gut behält. Die Schale ist sehr dunkel blau, das Fleisch blau-violett. Die schottische Kartoffelsorte eignet sich als Salatkartoffel, Salz- und Pellkartoffel. Eine blaue Kartoffel ist ein wirkliches Erlebnis!

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